sábado, 29 de marzo de 2008

DER BAUM / EL ÁRBOL / JULIO MEZA


DER BAUM


Julio MEZA


Deutsch von Aune Hartmann

Im Osten eines Himmels mit weiß getünchten Wolken erhob sich die Sonne mit ihrem charakteristischen morgentlichen Nachdruck. Sie glich einem leuchtendem Wesen, das räkelnd seinen dicken Bauch entblößt und mit der ihr gegebenen Kraft gelbe Strahlen ausstreut, die in den Felsen der sichtbar werdenden Bergspitzen ein schillerndes Licht produzieren.

Einige Meter tiefer, im Dorf, glitzerten die rötlichen Ziegel und die Fenster in den Hauswänden beim Erscheinen des Morgens.

Die kleinen Strahlen formten seltsame Zeichen, die man schon von weitem erblicken konnte.

Die Hauptkirche auf dem Marktplatz warf einen langen Schatten, der ihre Gestalt größer erscheinen ließ bis sie den Asphalt erreichte, bis hinein in den zentralgelegenen Garten. Der Schatten erfrischte die Holzbank, auf der ein Bettler saß.

Ein Häuserquadrat weiter, in der Straße, die zu den ruhigen Wassern des Flusses führt, befanden sich die Häuser der Reichen und aus diesem Grunde der am meisten beschützte und angenehmste Teil des Tales.

Eine dieser Konstruktionen, die sich auf der gegenüberliegenden Ecke befand, gehörte dem Senor, einem Manne fortgeschrittenen Alters mit einem derart harten Körper, daß der Eindruck entstand, die Jahre hätten ihn mit einer unbesiegbaren Faser ausgestattet.

Gegenüber seiner Haupteingangstür, wo er die Besuche von seinesgleichen empfing, befand sich das Resultat der vielen Jahre, die er an diesem Ort zugebracht hatte: Ein Baum mit tiefen Wurzeln, dickem und festem Stamm, sowie Zweigen und Blättern von großer Fülle.

„Wie lange eigentlich braucht dieser verdammte Dummkopf“ sagte der Herr als er aus der Veranda kam, um den Gärtner zu suchen.

Einige hundert Meter weit kam der Gärtner langsam heranspaziert, als ob er jeden einzelnen Schritt bedenke. Über seiner gebeugten Schulter und in einer Tasche aus Palmblättern trug er seine Arbeitsgeräte, einige Kleidungsstücke und einen Behälter mit Benzin.

„Wie wunderbar“, dachte er, nachdem er die Wärme der Umgebung auf seinem Körper gespürt hatte, und er begann zu pfeifen.

Die Melodie, die aus seinen Lippen floß, klang oberflächlich betrachtet fröhlich, hatte aber einen melancholischen Unterton bis hin zu einer schwindelerregenden Traurigkeit.

Je mehr er sich anstrengte ( er steckte einen Finger in den Mund und biß die Zähne zusammen) je weniger konnte er vermeiden, den traurigen Klang seiner Stimme wahrzunehmen. „Es scheint als vermelde mir mein Innerstes ein schlechtes Zeichen“, sinnierte er, aber er fuhr mit seinem - jetzt rhythmischen- Pfeifen fort.

Nachdem er an einer Einbahnstraße vorbeigegangen war, erblickte er den Senor, der ein wütendes Gesicht zeigte. Sofort begann er schneller zu laufen, er hatte begriffen, daß er recht spät ankam. „Ach, ich glaube der Herr ist sauer auf mich“, dachte er.

Bei dem Patron angekommen nahm er seine Sachen von der Schulter und grüßte ihn mit ehrlicher Freundlichkeit. „Lieber Herr, guten Tag, wie geht es Ihnen?“

„Als ob es dich interessieren würde, wie es mir geht!“ antwortete der Senor in agressivem Tonfall. “Du hättest schon vor einer halben Stunde da sein müssen!“

„Stimmt, lieber Herr“, erwiderte der Gärtner und senkte seinen Kopf. “Ärgern Sie sich doch nicht. Letztendlich bin ich ja gekommen! Oder? Sagen Sie mir, was gibt es denn zu tun?“

„Also das nächste Mal kommst du gefälligst früher,“ stellt der Herr fest, „sonst kriegst du nämlich von mir keinen Auftrag mehr!“ Und mit etwas weniger Wut in der Stimme zeigte er auf den Baum: „Okey, siehst du den ?“- „Ja“ „Ich möchte, daß Du ihn umhaust!“

„Aber“, sagte der Gärtner und betrachtete für einen Moment den Baum. „ Der ist ja gesund und stark. Warum möchten Sie, daß ich ihn fälle? „Was gehen dich meine Gründe an!“ sagte der Herr und begann sich erneut aufzuregen. „Hau ihn um, sonst nichts!“

„Wie Sie wünschen“, erklärte daraufhin der Gärtner. „Ich werde das schnellst möglichst erledigen“.

„Halt, warte mal“, sagte der Herr jetzt, wobei er sich am Kopf kratzte. „Wenn ich dir das jetzt erzähle, arbeitest du vielleicht mit mehr Lust.“

„Laß hören, Senor“. „Schau, meine Frau ist ziemlich krank“, erklärte der Herr. „Sie glaubt, sie wird sterben. Aber sie meint, daß wird so lange nicht passieren, bis ein Unglücksvogel singt. Der einzige Platz, von wo aus so ein Vogel singen könnte, ist aber dieser Baum. So und deshalb wenn dieses verflixte Gewächs nicht mehr existiert, kann man auch keinen Vogel von hier mehr hören.“

„Kapiert, Herr“, sagte der Gärtner respektvoll. „Also –

und jetzt verschwinde ich.“ beendete der Herr seine Rede, „du weißt ja, was du zu tun hast!“

Während sich der Herr zurückzog, stellte sich der Gärtner vor den Baum und beobachtete ihn mit Interesse.

Unter der starken Sonne verbreitete er das majestätische Flair eines höheren Wesens, so als wäre er etwas Bedeutendes.

„Außerdem“, dachte der Gärtner, “ scheint er von starkem Geist und festem Willen zu sein, so wie einer dieser Herren.“

Gleich fühlte sich der Gärtner ziemlich eingeschüchtert, sein Körper schien zu schrumpfen und er fühlte, wie sein Kinn auf die Brust fiel.

Diese Gedanken zeigten ihm, daß er nicht mit seinesgleichen zu tun hatte.

Nach einigen Sekunden aber, nachdem er sich klar gemacht hatte, daß er vor einem Baum stand, veränderte sich seine Haltung vollständig. Er bezog eine Kampfposition und sagte in herausforderndem Ton : „ Du wirst mich nicht besiegen! Weder mit Deinem herrenhaften Gehabe noch mit sonstwas...Und außerdem werde ich nicht zulassen, daß du der Senora Schaden zufügst!“

Für den Gärtner hatte es nun den Anschein, als erwidere der Baum auf seine Worte. Denn er schüttelte sich leicht und es sah so aus, als lache er über seine Drohung.

„So, daß ist ihr Ende, Herr Baum“, ermunterte sich der Gärtner und hob die Baumschere hoch.“ Jetzt weißt du, was ich vorhabe.“

Mit der Genauigkeit eines Künstlers begann er von den Stufen seiner Leiter aus die kleinsten Zweige abzuschneiden. Für jemanden, der nicht Bescheid wußte, sah es so aus, als würde er das Werk eines Haarschneiders verrichten, eines Mannes, der den Baum für ein besseres Wachstum beschneidet.

Nach etlichen Minuten, als er mit dieser Arbeit fertig war, und der Baum nur noch mit seinem puren Stamm dastand, nahm der Gärtner die Machete. Mit trockenen Schlägen hackte er die braunen gewundenen Hauptzweige vom Stamm.

Mit dem Gesicht und der Schulter voller Dreck stieg er auf den Boden herunter und machte sich für die schwerste Arbeit fertig: den Stamm abzuhacken.

Mit der Axt in beiden Händen schlug er ein und das andere Mal zu. Manchmal machte er eine kurze Pause, trocknete sein Gesicht ab oder trank etwas Wasser aus der Glasflasche.

Eine halbe Stunde später, er war fast fertig, (es fehlten nur noch drei oder vier Schläge), nahm er sich die Säge und setzte sie mit großer Genauigkeit auf der einen Seite des Stammes an.

Zum Schluß hackte er mit voller Kraft bis der Baum mit seinem Schrei: „Achtung, unten!“ besiegt zu Boden fiel, seiner Selbst beraubt.

„Ich sagte Ihnen doch, daß ich mit Ihnen Schluß machen würde!“ rief der Gärtner, wobei sich fast ein Lächeln auf sein Gesicht malte.

„Und jetzt werde ich es dem Herren zeigen!“

Während all dessen schien die Sonne mit voller Kraft. Wie ein Geschenk sandte sie ihre Strahlen auf alles, was existiert.

Als Antwort öffneten die Blumen ihre farbigen Knospen. Sie luden alle, die zu ihnen kamen, ein, etwas von der goldenen Energie zu schöpfen, die sich auf den Feldern ausbreitete.

Die Tiere spielten mit überschießender Freude, bewegten sich von einem Ort zum anderen und verursachten ein wildes aber glückliches Durcheinander.

Weiter weg ohne Zweifel eine Zusammenballung von Wolken des Morgens, die sich nach und nach in ein graues Gespenst verwandelten, spionierten herum wie Spukgestalten und breiteten ihre dichten Schatten über das weite Land.

Der Wind, auf seine Weise, schien gen Osten auszuhauchen, was die Klarheit des Tages störte, die Stunde der Sanftheit, die Stunde der Macht der Leidenschaft, und langsam verschob er die weißen Flecken am Himmel bei ihrer Begegnung mit dem Königstern- der Sonne.

Ohne Eile vorwärtsschreitend näherte sich der Gärtner dem Haus und klopfte an die Tür.

Sofort erschien der Herr und fragte, was er wolle.

„Ich bin fertig, Senor!° sagte der Gärtner in fröhlichem Tonfall. „Sie können Ihrer Frau bestellen, sie könne ganz ruhig sein. Ihr wird nichts passieren.“

„Hör mal, bist du nicht ganz bei Trost?“ erregte sich der Herr, hob warnend seinen Finger und sagte: „ Der Baum steht doch immer noch da!“

„Was?“ fragte der Gärtner staunend und drehte sich um. Aber nach einer Weile..........

„Mach Deine Arbeit fertig, Faulpelz!“ fügte der Herr hinzu und schloß die Tür.

Wie ein Dummkopf wendete der Gärtner seine Augen dem Baum zu mit nackter Wut: Der stand da mit intaktem Stamm, ohne einen einzigen verletzten Ast und mit Büschen von Zweigen voller Lebensfreude.

„Das wird er nicht noch mal mit mir machen!“ platzte der Gärtner wütend heraus, „das wird er nicht noch mal mit mir machen!“

Oben in den Bergen blies der Wind mit befreiender Kraft, fegte die Wolken mehrere Kilometer weit und erreichte endlich seinen eigentlichen Zweck: Er verdunkelte die ganze Gegend, so daß sie sich in Aschenfarbe verwandelte.

Die aufgeplusterten schwarzen Wolken verschossen unaufhörlich Blitze mit dem Effekt, von einem Moment auf den anderen zu explodieren.

Die Sonne, von der man nur noch einen kurzen Schein sah und einige blitzende Strahlen, starb ohne Kampf, einfach so, als wäre ihr kurze Herrschaft durchaus genug gewesen.

„Was nun, verdammt“, sagte der Gärtner, kochend vor Ärger.

Mit hastigen Bewegungen zog er sich den Pullover aus und das Hemd. Er befestigte ein Band aus Leder um seine Taille.

Ohne auch nur einen Moment abzu warten, ergriff er seine Axt und schlug wütend gegen den Stamm des Baumes. Das wiederholte er viele Male ohne sich auszuruhen oder auch nur durchzuatmen bis das Zentrum des Stammes in der Luft hing. „Jetzt muss er doch umfallen!“

dachte der Gärtner und trat dicht an den Baum. „Im Guten wie im Bösen!“. Voller Zorn fuhr er fort draufzuschlagen, jedesmal stärker, wie wenn er in einem Anfall von Wahnsinn mit Mordwerkzeugen auf ein Opfer einschlüge, daß eh kurz davor war, den Geist aufzugeben.


(Ende erste Übersetzung)